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  • Autorenbild: Silvia Edinger
    Silvia Edinger
  • 29. Juli 2022

© Silvia Edinger

Ich hatte sie wirklich vergessen - meine Gedichte. Obwohl ich sie in einem Anfall tiefen Seelendunkels verbrannt hatte, waren sie wieder aufgetaucht. Ich hatte sie einer Freundin geschenkt, die sie mir - Jahre später - zurückschenkte. Da ich der Sicherheit von Computerdateien misstraue, sind alle Texte ausgedruckt in einer Mappe - hier stieß ich gestern auf die Gedichte. Und ich saß da, las, tauchte in die vor vielen Jahren erlebten Gefühle erneut ein. Situationen, Bilder zu den Texten ploppten auf - goldeneHerbsttage, verliebt, im oberen Waldviertel, unbeschwerte Kurstage in Krems, die unwiderstehlichen blauen Augen, die mich in die Tiefe gewinkt haben, Zeile für Zeile Bilder der Vergangangenheit. Ich meinte den Duft des Sommers von damals zu spüren und Wellen des Glücks umspülten mich warm.


Als ich zum Ende der Gedichtseiten kam, fand ich mich im Glückszustand auf dem Sofa wieder - ganz zufrieden, dass ich solch magische Worte geschrieben hatte, Essenzen von Gefühlen, die noch, so viele Jahre später bis tief ins Herz reichen können.


© PANSILVA 2019-08-10

40 Jahre Lehrtätigkeit, seit 2010 freiberufliche Tätigkeit mit Atelier und Malschule. Verbindung zu Krems durch die Herkunftsfamilie und autobiografisches Schreiben.
"Ich möchte schreibend mein Leben nach rückwärts verstehen und vorwärts leben."
  • Autorenbild: Silvia Edinger
    Silvia Edinger
  • 20. Nov. 2021

Beitrag zum Kollektiven Tagebuch der TEA Berlin (Tagebuch- und Erinnerungsarchiv Berlin)

Dürnstein

Es war ein Radausflug von Krems zu meinen Großeltern im Kremstal, als meine Freundin und ich in einem Gasthaus einkehrten, um zu trinken. Der Wirt fragte mich, woher ich käme und ich erzählte ihm, dass ich auf dem Weg zu den Großeltern wäre. Als ich den Namen „PENN“ erwähnte, spürte ich die Wertschätzung und Achtung, die meinem Großvater entgegengebracht wurde. Noch heute spüre ich den Stolz, den ich dabei empfand.


Mein Großvater war ein Schmied, ein richtiger, so mit wasserbetriebenem Schwanzhammer, mit dem er die Eisenbahnschienen zu Schaufeln und allerlei Gerät schmiedete. Ich kann den metallenen Geruch, der über Werkstatt hing noch gut erinnern und die rhythmischen Töne hören, die der Hammer bei seiner Arbeit machte. Es hörte sich für mich als Kind an wie „Tulpe, Tulpe“ und man konnte daneben im Zimmer wunderbar schlafen, wo auch das Rauschen des Wehrbaches zu hören war.


In der Stube, im Herrgottswinkel,stand ein Foto von Julius Raab. Das war ein bekannter Politiker in Österreich. Meine Großmutter hatte das Bild aufgestellt, weil Julius Raab meinem Großvater wie ein Zwilling ähnlich sah.


Was ich noch erinnere? Großvater trug immer weinrot karierte Hemden und einen Kalmuk Janker, das ist eine Art Loden mit einem traditionellen kleinen Karomuster. Er lieferte das Werkzeug mit einem alten „Borgward“, einem Lastauto mit offener Ladefläche hinten. Manchmal durften wir darauf mitfahren, das wäre heutzutage sicher verboten, so ohne Sicherung.


Großvater liebte es, gleich in der Küche einen Mittagsschlaf zu machen. Eine dunkle Stelle markierte seine rußgeschwärzten Schuhe auf der Bank.


Als ich neun Jahre alt war, starb mein Großvater, ganz plötzlich an einem Angina Pectoris Anfall in Krems. Der Arzt, der gerade um die Ecke kam, konnte auch nicht mehr helfen.


Meine Mutter berichtete mir viel Gutes über den Großvater, er war als Vater fürsorglich, als Mensch hilfsbereit und gerecht, …

40 Jahre Lehrtätigkeit, seit 2010 freiberufliche Tätigkeit mit Atelier und Malschule. Verbindung zu Krems durch die Herkunftsfamilie und autobiografisches Schreiben.
"Ich möchte schreibend mein Leben nach rückwärts verstehen und vorwärts leben."
  • Autorenbild: Silvia Edinger
    Silvia Edinger
  • 16. Apr. 2021

In der ältesten Eiche am Rande der Waldwiese lebte eine Eule. Sie war bei allen Tieren des Waldes beliebt, weil sie gern Rat und Hilfe gewährte. Nur nachts oder kurz vor einbrechender Dunkelheit war sie zu sehen. Ihre leuchtenden honigfarbenen Augen glühten vor Freude, wenn sie jemandem helfen konnte.


Wie alle Eulen lebte Olla allein. Sie genoss die nächtlichen Beutezüge, wenn unvorsichtige Mäuslein zu lange auf einem Platz blieben und so Raub ihrer Krallen wurde. Olla mied menschliche Behausungen mit schrillen Lichtkegeln, die ihren Augen weh taten. Eines Abends wurde sie von wundersamen Klängen fast magisch angezogen. Da saß ein Wesen mit einem runden Instrument, auf das es rhythmisch klopfte - langsam, eindringlich, sodass die Töne bis in Ollas Bauch sich wohlig ausbreiteten. Sie setzte sich auf einen nahe gelegenen Baum und genoss das sanfte Vibrieren in ihrem Inneren.


Jetzt erst bemerkte sie das flackernde Feuer und etwas Ungewöhnliches schlug sie in ihren Bann. Ein großer Falter tanzte um das Licht. Olla hatte noch nie so ein anmutiges Wesen gesehen. Zarte Flügel, elegante Bewegungen und unbeschreibliche Gefühle, die sich in Olla dem Nachtvogel ausbreiteten. Sie hatte bei ratsuchenden Tieren oft über das Gefühl der Verliebtheit gehört, jetzt hatte es sie erwischt. Mit klopfendem Herzen starrte die Eule auf den schimmernden Lichttänzer.


Fast übersah sie den aufsteigenden Morgen, bevor sie sich eilig nach Hause aufmachte. Der neue Tag war für sie voll Grübelei über ihre Gefühle. Könnte dieser Falter gefallen an ihr finden? Sie, mit dem schweren Körperbau und den großen kräftigen Krallen? Über all den Gedanken schlief sie ein.


Als die Nacht über den Wald hereinbrach machte sie sich gleich auf den Weg um ihren Lichttänzer wieder zu finden. Die Trommel half ihr den Platz zu finden und bald konnte sie wieder den Tanz um das flackernde Licht des Feuers bewundern. Gebannt beobachtete Olla ihren fragilen Faltertänzer, doch sie traute sich nicht näher, schon wegen der Hitze des Feuers. Ihr Herz tat weh, wenn sie sich auf den Weg zurück in ihre Höhle machte, denn sie wusste um die Ausweglosigkeit dieser Liebe - Licht und Feuer waren nicht ihr Lebensraum.


Olla zählte die Nächte nicht, an denen sie dem Klang der Trommel zum Tanz des Falters folgte. Als der Herbst mit seinen Farben ein buntes Kleid über den Wald zog war es vorbei mit den nächtlichen Ausflügen. Die Trommel war verstummt und Olla blieben nur die Träume von einem unerreichbaren Freund…

40 Jahre Lehrtätigkeit, seit 2010 freiberufliche Tätigkeit mit Atelier und Malschule. Verbindung zu Krems durch die Herkunftsfamilie und autobiografisches Schreiben.
"Ich möchte schreibend mein Leben nach rückwärts verstehen und vorwärts leben."
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