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  • Doris Plöckinger

Wenn das Wünschen noch hülfe

möchte ich

zurückkehren

auf die struppigen Hügel

meiner Kindheit

wo auf schmalen verwilderten Pfaden

schweigsame Indianer

neben mir schlichen

auf rauen Felsen sonnengetränkt

die Kröndlnatter

den Schlüssel zum Schatz bewachte

kein Zwerg

mir Rede und Antwort verweigerte

und die Mutter der Blumen

mich als ihre Kind aufnahm

 

Aus der Lesung: Doris Plöckinger

bei der Veranstaltung: Wortbilder und musikalische Skizzen, 3.6.1998

Kultur Mitte

  • AutorenbildSilvia Edinger

© Silvia Edinger

Frastanz, Österreich

2005–2019


Ich wollte so malen wie Matthias. Lange hat es gedauert, bis ich einen der begehrten Plätze im Kurs bekam und endlich nach Vorarlberg aufbrechen durfte. Im Kurs dann war ich sehr aufmerksam, prägte mir alles ein, was unser Lehrer sagte. Er führte uns durch die Bilder, erklärte den Farbauftrag, die Spachtelarbeit und Vorbereitungen auf der Leinwand. Die Tage waren randvoll mit Malen, zuhören, aufnehmen, abends machte ich mir Notizen, um nur ja nichts zu vergessen. Oft baten wir Matthias, doch ein Buch zu schreiben, alles hineinzupacken, was er an Tipps und Tricks bei Farben und Techniken auf Lager hat, doch er meinte immer "Es geht nichts verloren" und vertröstete uns mit dem Buchwunsch auf später.


Als ich dann begann, mit Kindern und Erwachsen das bei Matthias Gelernte umzusetzen, verwendete ich seine Erklärungen. Ich gab das weiter, was ich in den Kursen gehört hatte. Wie eine Platte, die man abspielt, gab und gebe ich PanArt Wissen und Erfahrung weiter und führe die, die es möchten, durch und zu einem Bild, bis der individuelle Umgang mit den fließenden Farben selbstverständlich geworden ist.


Einmal malte ich mit einer vierten Volksschulklasse, in der auch meine PanArt-Schülerin Carolina war. Sie war gegenüber ihren Mitschülern klar im Vorteil, denn sie hatte schon oft mit den Farben gearbeitet. Als wir den Farbrhytmus aufgetragen hatten, bat ich Carolina doch das Spachteln zu zeigen, das sie schon oft geübt hatte. Mit der Zahnspachtel in der Hand begann sie, ihren Mitschülern zu erklären, wie sie den Farbrhytmus gestalten und modellieren konnten. Was mich verblüffte: sie verwendete meine Sätze, die sie oft im Kinderkurs gehört hatte und die ich in den Unterweisungen bei Matthias aufgenommen hatte. Es berührte mich sehr, aus ihrem Mund das zu hören, was uns gesagt wurde und mit einem Mal wusste ich, dass Matthias recht hatte, dass nichts verloren geht. Gesehen, gehört, selbst getan... weiter gegeben... passt :)

 
Silvia Edinger
40 Jahre Lehrtätigkeit, seit 2010 freiberufliche Tätigkeit mit Atelier und Malschule. Verbindung zu Krems durch die Herkunftsfamilie und autobiografisches Schreiben.
"Ich möchte schreibend mein Leben nach rückwärts verstehen und vorwärts leben."
  • AutorenbildSilvia Edinger

© Silvia Edinger

Ich hatte sie wirklich vergessen - meine Gedichte. Obwohl ich sie in einem Anfall tiefen Seelendunkels verbrannt hatte, waren sie wieder aufgetaucht. Ich hatte sie einer Freundin geschenkt, die sie mir - Jahre später - zurückschenkte. Da ich der Sicherheit von Computerdateien misstraue, sind alle Texte ausgedruckt in einer Mappe - hier stieß ich gestern auf die Gedichte. Und ich saß da, las, tauchte in die vor vielen Jahren erlebten Gefühle erneut ein. Situationen, Bilder zu den Texten ploppten auf - goldeneHerbsttage, verliebt, im oberen Waldviertel, unbeschwerte Kurstage in Krems, die unwiderstehlichen blauen Augen, die mich in die Tiefe gewinkt haben, Zeile für Zeile Bilder der Vergangangenheit. Ich meinte den Duft des Sommers von damals zu spüren und Wellen des Glücks umspülten mich warm.


Als ich zum Ende der Gedichtseiten kam, fand ich mich im Glückszustand auf dem Sofa wieder - ganz zufrieden, dass ich solch magische Worte geschrieben hatte, Essenzen von Gefühlen, die noch, so viele Jahre später bis tief ins Herz reichen können.


© PANSILVA 2019-08-10

 
Silvia Edinger
40 Jahre Lehrtätigkeit, seit 2010 freiberufliche Tätigkeit mit Atelier und Malschule. Verbindung zu Krems durch die Herkunftsfamilie und autobiografisches Schreiben.
"Ich möchte schreibend mein Leben nach rückwärts verstehen und vorwärts leben."
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