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von Ernst Karner

"Age of Anxiety" Benjamin Shahn, 1953, National Portrait Gallery (United States), Copyright: https://en.wahooart.com/
"Age of Anxiety" - Benjamin Shahn, 1953, National Portrait Gallery (United States), Copyright: https://en.wahooart.com

In einem hellen

U-Bahn Durchgang

ein Mann und eine Frau

statuarisch wie bei Modigliani

die Gebeine scheinen

unter ihren Kleidern durch

eine Nonne und weiter hinten

eine Frau die an einem

Tischchen sitzt das sie offenbar

mitgebracht hat

der Boden mit

dunkel- und lichtblauen

Fliesen bedeckt

kein Schrei zerreißt die

sie umgebende Stille

von Ernst Karner

"Portrait of Orleans" - Edward Hopper, 1950 (Orleans, Cape Cod, MA), Copyright: https://en.wahooart.com
"Portrait of Orleans" - Edward Hopper, 1950 (Orleans, Cape Cod, MA), Copyright: https://en.wahooart.com

Eine typisch amerikanische

Kleinstadt

verlegt auf die Halbinsel von

Cape Cod

benannt nach Louis Philippe II

Herzog von Orléans

der die Kolonisten in ihrem

Unabhängigkeitskampf unterstützte

weil die Bürger keinen englischen

Namen für ihre Stadt wollten

eine typisch amerikanische

Kleinstadt

Telegrafenmasten

Esso-Tankstelle

damals (zu Zeiten Hoppers) wie heute

Bäume

das nahe Meer

von Silvia Edinger

In der ältesten Eiche am Rande der Waldwiese lebte eine Eule. Sie war bei allen Tieren des Waldes beliebt, weil sie gern Rat und Hilfe gewährte. Nur nachts oder kurz vor einbrechender Dunkelheit war sie zu sehen. Ihre leuchtenden honigfarbenen Augen glühten vor Freude, wenn sie jemandem helfen konnte.


Wie alle Eulen lebte Olla allein. Sie genoss die nächtlichen Beutezüge, wenn unvorsichtige Mäuslein zu lange auf einem Platz blieben und so Raub ihrer Krallen wurde. Olla mied menschliche Behausungen mit schrillen Lichtkegeln, die ihren Augen weh taten. Eines Abends wurde sie von wundersamen Klängen fast magisch angezogen. Da saß ein Wesen mit einem runden Instrument, auf das es rhythmisch klopfte - langsam, eindringlich, sodass die Töne bis in Ollas Bauch sich wohlig ausbreiteten. Sie setzte sich auf einen nahe gelegenen Baum und genoss das sanfte Vibrieren in ihrem Inneren.


Jetzt erst bemerkte sie das flackernde Feuer und etwas Ungewöhnliches schlug sie in ihren Bann. Ein großer Falter tanzte um das Licht. Olla hatte noch nie so ein anmutiges Wesen gesehen. Zarte Flügel, elegante Bewegungen und unbeschreibliche Gefühle, die sich in Olla dem Nachtvogel ausbreiteten. Sie hatte bei ratsuchenden Tieren oft über das Gefühl der Verliebtheit gehört, jetzt hatte es sie erwischt. Mit klopfendem Herzen starrte die Eule auf den schimmernden Lichttänzer.


Fast übersah sie den aufsteigenden Morgen, bevor sie sich eilig nach Hause aufmachte. Der neue Tag war für sie voll Grübelei über ihre Gefühle. Könnte dieser Falter gefallen an ihr finden? Sie, mit dem schweren Körperbau und den großen kräftigen Krallen? Über all den Gedanken schlief sie ein.


Als die Nacht über den Wald hereinbrach machte sie sich gleich auf den Weg um ihren Lichttänzer wieder zu finden. Die Trommel half ihr den Platz zu finden und bald konnte sie wieder den Tanz um das flackernde Licht des Feuers bewundern. Gebannt beobachtete Olla ihren fragilen Faltertänzer, doch sie traute sich nicht näher, schon wegen der Hitze des Feuers. Ihr Herz tat weh, wenn sie sich auf den Weg zurück in ihre Höhle machte, denn sie wusste um die Ausweglosigkeit dieser Liebe - Licht und Feuer waren nicht ihr Lebensraum.


Olla zählte die Nächte nicht, an denen sie dem Klang der Trommel zum Tanz des Falters folgte. Als der Herbst mit seinen Farben ein buntes Kleid über den Wald zog war es vorbei mit den nächtlichen Ausflügen. Die Trommel war verstummt und Olla blieben nur die Träume von einem unerreichbaren Freund…