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Großvater Penn

von Silvia Edinger

Beitrag zum Kollektiven Tagebuch der TEA Berlin (Tagebuch- und Erinnerungsarchiv Berlin)

Dürnstein

Es war ein Radausflug von Krems zu meinen Großeltern im Kremstal, als meine Freundin und ich in einem Gasthaus einkehrten, um zu trinken. Der Wirt fragte mich, woher ich käme und ich erzählte ihm, dass ich auf dem Weg zu den Großeltern wäre. Als ich den Namen „PENN“ erwähnte, spürte ich die Wertschätzung und Achtung, die meinem Großvater entgegengebracht wurde. Noch heute spüre ich den Stolz, den ich dabei empfand.


Mein Großvater war ein Schmied, ein richtiger, so mit wasserbetriebenem Schwanzhammer, mit dem er die Eisenbahnschienen zu Schaufeln und allerlei Gerät schmiedete. Ich kann den metallenen Geruch, der über Werkstatt hing noch gut erinnern und die rhythmischen Töne hören, die der Hammer bei seiner Arbeit machte. Es hörte sich für mich als Kind an wie „Tulpe, Tulpe“ und man konnte daneben im Zimmer wunderbar schlafen, wo auch das Rauschen des Wehrbaches zu hören war.


In der Stube, im Herrgottswinkel,stand ein Foto von Julius Raab. Das war ein bekannter Politiker in Österreich. Meine Großmutter hatte das Bild aufgestellt, weil Julius Raab meinem Großvater wie ein Zwilling ähnlich sah.


Was ich noch erinnere? Großvater trug immer weinrot karierte Hemden und einen Kalmuk Janker, das ist eine Art Loden mit einem traditionellen kleinen Karomuster. Er lieferte das Werkzeug mit einem alten „Borgward“, einem Lastauto mit offener Ladefläche hinten. Manchmal durften wir darauf mitfahren, das wäre heutzutage sicher verboten, so ohne Sicherung.


Großvater liebte es, gleich in der Küche einen Mittagsschlaf zu machen. Eine dunkle Stelle markierte seine rußgeschwärzten Schuhe auf der Bank.


Als ich neun Jahre alt war, starb mein Großvater, ganz plötzlich an einem Angina Pectoris Anfall in Krems. Der Arzt, der gerade um die Ecke kam, konnte auch nicht mehr helfen.


Meine Mutter berichtete mir viel Gutes über den Großvater, er war als Vater fürsorglich, als Mensch hilfsbereit und gerecht, ……


Silvia Edinger
40 Jahre Lehrtätigkeit, seit 2010 freiberufliche Tätigkeit mit Atelier und Malschule. Verbindung zu Krems durch die Herkunftsfamilie und autobiografisches Schreiben.

"Ich möchte schreibend mein Leben nach rückwärts verstehen und vorwärts leben."